Dreht euch um: Die Zukunft liegt im Osten!
Rathaus1010 Wien
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs steht Mitteleuropa vor der nächsten Revolution: Unter der Bezeichnung Centrope entwickelt sich das erweiterte Einzugsgebiet Wiens zu einer der dynamischsten Zonen der Welt.
In der Kulinarik sind die ethnischen Grenzen Zentraleuropas längst überwunden. Gängigste Gemeinsamkeit der centropen Speisekarte ist vor allem die Palatschinke, dicht gefolgt vom Gulyas, dem Knedlik und der Kolace. Alles klar? Wenn nicht, dann ist es höchste Eisenbahn, auch die nationalen Grenzen zu überwinden. Denn wenn du das liest, befindest du dich mitten in Centrope - einer Region, die nicht nur zu den wirtschafts- und kulturstärksten Europas zählt, sondern die schon seit Jahren als Völker verbindendes Kerngebiet Mitteleuropas wiederbelebt wird. Die Rede ist vom Umland von Bratislava, dem mährischen Raum, dem westlichen Teil Ungarns und Ostösterreich.
Vier Länder finden zueinander
Während dieser Zukunftsstandort
in Politik und Wirtschaft eine feste Größe ist, geht der grenzenlose Vier-Länder-Gedanke nun auch immer mehr auf die Bevölkerung über: In den Einkaufszentren Wiens gehen Ungarn gerne
shoppen, am Semmering carven immer mehr Tschechen und Slowaken und spätestens seit der Jungfernfahrt des Twin City Liners im Jahr 2006 gehört Bratislava zu den beliebtesten
Tagesausflugszielen der Wiener. Mittlerweise legt der Katamaran bis zu 5 x täglich die Strecke Wien - Bratislava zurück. Im Mai dieses Jahres ging der 500.000ste Passagier an Bord.
Um diesem Andrang gerecht zu werden, wurde erst im Juli die neue Schiffsanlegestelle am Schwedenplatz in Betrieb genommen. Auch länderübergreifende Wanderausstellungen, diverse
Reiseführer oder verlockende Kulturpackages sollen den 6,5 Millionen Bewohnern des Vierländerecks "grenzenlose Erlebnisse" schmackhaft machen.
Aber wie es schon Henry Ford formulierte: "Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten führt zum Erfolg." Und zusammengekommen ist, beispielsweise im Hinblick auf die Automobilwirtschaft, schon einiges: In Wien läuft bei General Motors in Aspern die effizienteste Getriebeproduktion des Konzerns, im nahen Györ werden 80 % der Motoren für Audi produziert, und Bratislava ist mit VW, Peugeot-Citroën und der Nähe zu Opel- sowie Hyundai-KIA-Standorten eine Klasse für sich. Fahren können die Autos auch: Knapp 100.000 Kfz rollen täglich über die 25 Grenzübergänge. Und in Wien Aspern ist man schon einen Schritt weiter: Hinter dem GM-Werk läuft auf dem ehemaligen Flugfeld Wien-Aspern das größte Stadtteilprojekt Europas: Auf einer Fläche, die so groß ist wie der 7. und 8. Bezirk zusammen, sollen in den nächsten 20 Jahren 20.000 Bewohner und ebenso viele Arbeitsplätze Platz finden. Die Anbindung erfolgt über die U2. Ab Oktober wird in der Station Stadlau in die Schnellbahn S80 umgestiegen. Fahrzeit nach Bratislava: 48 Minuten!
Einen Fernseher aus der SCS in
die Lobau zu bringen dauert länger (und wenn es ein Samsung ist, kommt er vermutlich ohnehin aus der Slowakei, denn deren TV-Werk ist mittlerweile die größte Firma des Landes).
Als "Goldenes Tor zum Osten" versteht sich neben der Seestadt Aspern auch das Tech Gate Vienna an der Alten Donau. Zum 10-jährigen Bestehen kamen kürzlich Wirtschaftsnobelpreisträger
Joseph E. Stiglitz und Bürgermeister Michael Häupl zu Besuch. Beide unterstrichen die Investition in Forschung und Entwicklung als wichtige Strategie gegen Wirtschaftskrisen.
Die Uni Wien und ihre Trabanten
Die Techniker und Forscher von morgen sind bereits in Ausbildung. Neben Wien als Rückgrat finden sich auch 50.000 Studenten in Bratislava und 80.000 Studierende in Brno. Zumindest auf ökonomischer Ebene lassen derzeit 22 Clusterinitiativen jenen Keil verschwinden, den der Eiserne Vorhang nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine Region getrieben hat, die unter österreichisch-ungarischer Krone schon einmal fest verbunden war.
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Erstellt von
Catharina Gruidl
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