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Spitalskonzept: Eine OP am offenen Herzen

Rathaus
1010 Wien

http://www.wienkav.at/kav/

Die Diskussion über die Schließung kleinerer Krankenhäuser ist abgeklungen, sagt KAV-Generaldirektor
Dr. Marhold. Wir fragten den Medizin-Manager nach Wechsel- und Nebenwirkungen der Umstrukturierung.

32.000 Mitarbeiter, größter Ausbilder im Gesundheitsbereich, 400.000 stationäre Aufnahmen im Jahr,
1,4 Millionen ambulante Behandlungen alleine im AKH, 3,5 Millionen insgesamt – das sind die Zahlen des KAV (Wiener Krankenanstaltenverbund), der trotzdem nicht allen Wienern auf Anhieb ein Begriff sein dürfte. Das sei auch nicht wichtig, meint Generaldirektor Dr. Wilhelm Marhold.

WBB:
Momentan in aller Munde ist natürlich das Krankenhaus Wien Nord. Wann wird der Spatenstich gesetzt?

Marhold:
Die Ausschreibung war im Mai 2006, der Spatenstich wird diesen September sein. 4 1/2 Jahre danach – also nicht schlecht. Die idealtypische Bauzeit wären dann vier Jahre. Man muss schauen, dass man verschiedene Dinge gleichzeitig tut. Damit dann nicht durch einen Einspruch im Vergaberecht alles ein halbes Jahr steht. Das spart Zeit und Geld.

Sparen ist das Thema …

Was ich sehr charmant fand: dass das Kontrollamt uns empfohlen hat, nicht zu viel zu sparen, das gibt es selten (lacht). Wichtig ist, dass nichts mehr geändert wird, wenn die Pläne fixiert sind. Nichts ist teurer als Änderungen.

Wie viel wird derzeit insgesamt investiert?

Die Stadt Wien investiert jährlich E 700 Mio. und davon fließen brutto 280 Mio. in den KAV. Die Schlagworte sind Spitals- und Geriatriekonzept. Hier geht es um Strukturen teils noch aus der Kaiserzeit, wo ein Re-Invest sinnlos wäre. Fünf Standorte werden geschlossen und ins Krankenhaus Nord übersiedelt. Die Diskussion, ob kleinere Standorte erhalten werden sollen, ist überwunden. Hier wurde nicht etwa schlechte Arbeit geleistet – wir können uns die Häuser einfach nicht mehr leisten. Einfach war das nicht, die Spitäler wurzeln in der Identität der Bezirke. Aber: Die Wiener brauchen das Krankenhaus Nord, weil sich die Stadt in den Osten entwickelt, und der KAV braucht es für seine Re-Strukturierung. Das ist alternativlos. Nur so können wir regionale Spitzenmedizin erhalten.

Bei der Dialyse gibt es eine Kooperation von KAV, Barmherzigen Brüdern und WGKK …

Trägerübergreifende Modelle sind entscheidend. Immer dann, wenn finanzielle Ressourcen knapp sind, versucht jeder Kosten weiterzuschieben. In der Dialyse hatten wir nicht wie erwartet Steigerungsraten von
6–7 %, sondern 10–11 %. Ich hab den Vorschlag gemacht, eine gemeinnützige Gesellschaft zu bilden. Dort, wo Bedarf entsteht und die Kompetenz zerklüftet ist, Kosten nicht hin und her schieben, sondern gemeinsam tragen, weil’s dann billiger wird.

Ist das die einzige Kooperation dieser Art?

Es gibt z. B. eine Zusammenarbeit zwischen Rudolfstiftung und Hartmannspital, bei Bandscheiben- oder Augen-OPs.

Wie entwickeln sich die Krankenhäuser an sich?

Man muss Standorte zusammenlegen und Schwerpunkte setzen. Wien Nord wird eine große Erstversorgung haben, das stationäre Bett tritt mehr in den Hintergrund, es geht um rasche Diagnosen. Ich unterstelle nämlich, dass nicht nur junge, sondern gerade auch alte Menschen gerne schnell entlassen werden. Nicht alles ist Spitalsaufgabe, vieles gehört in die Hausarztpraxis.

Pläne für die Zeit nach Wien Nord?

Wir machen jetzt schon die Masterpläne für die Pavillonhäuser, wie im Otto Wagner- oder Wilhelminenspital. Diese Gebäude stammen aus einer Zeit, in der man 28 Kilometer lange Straßen durch die Anlagen gebaut hat. Das kann ich nicht erhalten, ich bin ja nicht die Asfinag! Das waren ganz andere Gegebenheiten: Damals hatte man 20 oder 30 Gärtner, jetzt habe ich 2 oder 3. Wenn das Geld da ist – wenn Wien Nord, die Dezentralisierung der Psychiatrie und bis 2015 das Geriatriekonzept abgeschlossen sind –, gehen wir das an. Man kann nicht alles auf einmal machen.

(Interview: Nicola Schwendinger & Thomas Landgraf)

Erstellt von
WIENER BEZIRKSBLATT Redaktion

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